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28. Dezember 2018 / Basis-Info (V)

Wirtschaftliche Bedeutung des Lotteriemarktes

Ein Beitrag von Jan Kleibrink, Head of Economic Analysis des Handelsblatt Research Institute, über die wirtschaftliche Bedeutung des Lotteriemarktes

Der Glücksspielmarkt ist mit einem Umsatz von jährlich rund 35 Milliarden Euro ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Deutschland und setzt in etwa doppelt so viel wie die inländische pharmazeutische Industrie und dreimal so viel wie die inländische Möbelproduktion um. Die Bruttospielerträge – also die Spieleinsätze abzüglich der ausgezahlten Gewinne – haben dabei ein Volumen von 15 Milliarden Euro. Nur zwei Drittel (10,83 Milliarden Euro der Bruttospielerträge) davon entfallen auf den regulierten Markt, zu dem alle Angebote zählen, die mit einer deutschen Glücksspielkonzession operieren. Nach den Geldgewinnspielgeräten in Spielhallen und Gaststätten haben die staatlichen Lotterien des Deutschen Lotto- und Totoblocks in diesem Marktsegment den zweitgrößten Anteil. Mit 28 Prozent findet jedoch ein sehr hoher Anteil des gesamten Marktes in der Illegalität statt. Dies betrifft vor allem die Angebote des Online-Glücksspiels.

Lotterien erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit, sie sind mit weitem Abstand die meistgespielte Form des Glücksspiels. Laut einer repräsentativen Befragung durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben im Jahr 2017 mehr als 22 Prozent der Deutschen Lotto 6aus49 gespielt, 10 Prozent beteiligten sich an Sofortlotterien, 8 Prozent spielten Eurojackpot. Darüberhinausgehende Lotterieangebote privater Anbieter2 wurden von mehr als 16 Prozent der Deutschen genutzt. Andere Formen des Glücksspiels, etwa Geldspielautomaten (2,6 Prozent) oder Sportwetten (2,4 Prozent), sind weit weniger verbreitet.

 

Während Lotterien nach Spielerbeteiligung die größte Spielform in Deutschland sind, ist dies nach Bruttospielerträgen nicht der Fall. 3,7 Milliarden Euro Bruttospielerträge wurden im Jahr 2016 mit den Lotterien der staatlichen Lotteriegesellschaften erzielt, dazu kommen 432 Millionen Euro aus Soziallotterien (z. B. Deutsche Fernsehlotterie, Aktion Mensch oder Postcode Lotterie), 251 Millionen Euro aus Sparlotterien der Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie 221 Millionen Euro aus Klassenlotterien. Mit insgesamt 4,6 Milliarden Euro machen die staatlichen und privaten Lotterien damit rund 42 Prozent des legalen deutschen Marktes aus. Höhere Bruttospielerträge erzielen Geldspielgeräte in Spielhallen und Gaststätten, 5,6 Milliarden Euro und damit 52 Prozent des legalen Marktes entfielen im Jahr 2016 auf diese Spielform.

 

Im Jahr 2016 zahlten die Glücksspielanbieter in Deutschland Abgaben und Steuern von insgesamt 5,5 Milliarden Euro. Der bedeutendste Block dieser Abgaben sind die Glücksspiel-, Konzessions- und Zweckabgaben der staatlichen Lotterieanbieter mit 1,65 Milliarden Euro, dahinter folgt die Lotteriesteuer, die sich auf knapp 1,5 Milliarden Euro summiert. Die staatlichen Lotteriegesellschaften sind damit der größte Abgabenzahler.

 

Zudem ist die Glücksspielbranche ein relevanter Faktor für den Arbeitsmarkt. Insgesamt sind knapp 200.000 Menschen in der Glücksspielbranche beschäftigt, gut 88.000 davon im Lotteriewesen. Zu beachten ist dabei vor allem, dass die Beschäftigungsentwicklung im Segment des regulierten Glücksspielmarktes in den letzten Jahren durch eine noch höhere Dynamik gekennzeichnet war als die ohnehin starke gesamtwirtschaftliche Beschäftigungsentwicklung.

 

Die staatlichen Lotterieanbieter betreiben rund 22.000 Annahmestellen in Deutschland. Diese sind meist mit weiteren Angeboten wie dem Verkauf von Tabak- und Printerzeugnissen verbunden, zunehmend gibt es auch Zusammenschlüsse mit anderen Anbietern, etwa der Deutschen Post. Besonders in ländlichen Gebieten haben diese Angebote einen wichtigen Charakter für die lokale Infrastruktur.

 

Das komplette Dokument „Basis-Info“ ist auch hier abrufbar.

Dr. Jan Kleibrink ist Head of Economic Analysis des Handelsblatt Research Institute. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der ökonomischen Analyse von Marktveränderungen, insbesondere vor dem Hintergrund der digitalen Transformation.