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18. Dezember 2018 / Vertrauen und Träume (VIII)

Wagst Du den Sprung?

Cheerleading ist eine Sportart bei der Vertrauen eine große Rolle spielt. Nicht nur in die anderen Teammitglieder, sondern vor allem auch in sich selbst und das eigene Können. Ein Porträt.

Das Herz rast, die Hände sind feucht, das Lampenfieber steigt. Jeder ist in der eigenen Routine versunken und geht die einzelnen Schritte der Choreografie nochmal in Ruhe durch. Die Nervosität ist ansteckend. Alle warten aufgeregt auf die Stimme des Moderators – dann geht es los.

Inzwischen ist eine solche Situation für die einundzwanzigjährige Sarah Rößner alltäglich geworden, angespannt ist sie trotzdem bei jedem ihrer Wettkämpfe mit ihrem Cheerleading-Team. Von diesen Momenten gab es schon eine Menge. Schon seit ihrem achten Lebensjahr ist sie Cheerleaderin.

Zum Cheerleading kam sie durch ein Angebot im Schülerferienprogramm ihres Heimatortes Kuchen in Baden-Württemberg. An diesem eintägigen Schnupperkurs war Sarah so von dem Teamgeist begeistert, dass sie sich dazu entschied, mit dem Cheerleading weiterzumachen. Zunächst war sie bei den „Peewees“ aktiv, der jüngsten Alterskategorie, und später im Jugendteam des gleichen Vereins.

500 Kilometer entfernt der Heimat

Mittlerweile ist sie ein Teil von einem der Senior Teams der „Dolphins“ Cheerleader in Krefeld. Schon seit einigen Jahren war es Sarahs Traum bei diesem Verein mitturnen zu dürfen. Um diesem einen großen Schritt näher zu kommen, nahm sie den Umzug aus ihrer über 500 Kilometer entfernten Heimat in Kauf. In diesem Sommer waren die Try-outs, das ist das Probetraining bei dem die Bewerber und Bewerberinnen die Coaches von ihrem Können überzeugen müssen, um sich einen Platz im Team für die kommende Saison zu sichern. Seit Ende der Sommerferien trainiert die ganze Gruppe dreimal in der Woche für die nächste Meisterschaft.

Heute ist einer dieser Tage und ich werde sie begleiten:

Sarah ist in der Umkleidekabine der Cheerleader. Freundliche Gesichter erwarten einen. So dass sie sich immer sofort willkommen fühlt. Jeder wird mit Umarmungen begrüßt. Man erkennt sofort, dass es sich um eine zusammengehörige Gruppe handelt. Alle tragen ein weißes T-Shirt mit dem aquablau-silberfarbenen Vereinslogo. Während die letzten Teammitglieder dazustoßen, starten die Besprechungen für das heutige Training. Dann läuft das Team gemeinsam in die Halle. Die Trainer leiten die Aufwärmübungen ein. „Bald steht die nächste regionale Meisterschaft, die German All Level Championship, in Düsseldorf an und das Training muss konzentriert durchgezogen werden. Deshalb sind wir alle immer hundertprozentig dabei“, erzählt Sarah mit funkelnden Augen. Es treten insgesamt hundert Teams gegeneinander an und jede Mannschaft will, dass sich das harte Training bezahlt macht.

„Cheerleading bestimmt mein Leben“

„Ich habe aus Neugierde mit dem Cheerleading begonnen. Meine Leidenschaft dafür wuchs erst nach der Zeit. Mittlerweile bestimmt das Cheerleading mein Leben, weil es mir einfach alles gibt!“, erzählt sie strahlend.

Die Wettkämpfe sind eine zusätzliche Motivation. Den Wettkampfgeist sieht man den Dolphins an, denn jeder im Team ist mit Herz und Seele dabei. „Man erkennt die Freude jedes Sportlers, wenn die Choreografie reibungslos funktioniert“, äußert sich die Cheerleaderin begeistert. Während der zweieinhalbminütigen Choreografie ist jeder

Beteiligte im Raum hochkonzentriert. Die Stimmung ist angespannt, denn alle stehen unter Druck. Niemand will sich einen Fehler erlauben. Sarah erklärt, dass es bei diesem Sport auf die Teamleistung ankommt. Man muss sich vertrauen, denn der geringste Fehler schadet dem ganzen Team. „Fehlt nur eine einzige Person ist das Gesamtbild sofort zerstört.“

Jeder Einzelne der gesamten Gruppe arbeitet auf das gleiche Ziel hin: den Traum, eines Tages an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Ein Lebenstraum, für den Viele bereit sind einiges zu riskieren.

Lebenstraum mit Risiko

Sarah erinnert sich an die zahlreichen Male, bei denen sie sich beim Training verletzt hat. Die schlimmste Verletzung erlitt sie 2010. Eine schwerwiegende Knieverletzung, die sie ein halbes Jahr lang vom Training abhielt. Dadurch gingen ihr viele Fortschritte wieder verloren. Sie musste sich langsam wieder an die einzelnen Elemente des Cheerleadings herantasten. Doch dieser Rückschlag hielt sie nicht davon ab, von der Teilnahme der Weltmeisterschaft zu träumen.

Um diesen Traum zu verwirklichen, wird sie weiter hart arbeiten.

Im letzten Jahr verfolgte sie die Teams der Weltmeisterschaft im Cheerleading bereits vor Ort. Sie flog nach Amerika, um alles mitzuerleben. Doch das reicht der gebürtigen Schwäbin nicht mehr: „Ich möchte selbst auf der Matte der Weltmeisterschaften stehen.“ Aber jetzt wird erstmal für den nächsten Wettkampf trainiert.

 

* Dieses Porträt entstand während einer in Kooperation von der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen und WestLotto organisierten Projektwoche zum Thema „Träumen“. Die verantwortliche Projektgruppe setzte sich zusammen aus Funda Aydemir, Marvin Bähner, Niklas Berkel, Pia Bühner, Nina Gottwald, Lina Sophie Kuhn, Jenny Müller, Sarah Rößner und Sebastian Tischkov
Cheerleaderin Sarah Rößner