Vertrauen teilen:
4. November 2020 / Einblick

Vertrauen ist gut, Faktencheck ist besser

Lügenpresse? Fake News? In sozialen Medien gewinnt man oft den Eindruck, dass etablierten Zeitungen, Zeitschriften und Programmen immer weniger vertraut wird. Stattdessen teilen Menschen Beiträge von Absendern, deren Glaubwürdigkeit schwer einzuschätzen ist. Wie steht es um die Glaubwürdigkeit von Medien und wie kann man „gute“ Informationen von „schlechten“ unterscheiden?

Kennen Sie den „Bestätigungsfehler“? Wahrscheinlich machen Sie ihn selbst: Menschen vertrauen Informationen eher, wenn diese Informationen ihre schon vorhandene Meinung bestätigen. Das passiert ganz unabhängig von der Bildung oder der Weltanschauung. Der Effekt wurde bereits in den 1960er-Jahren beschrieben – und er lässt sich heute leicht in sozialen Medien beobachten. Achten Sie einmal darauf, wenn Sie selbst das nächste Mal einen Beitrag liken oder teilen.

Auf eigenes Verhalten achten

Der Bestätigungsfehler führt dazu, dass wir kritisch sind bei Informationen, die nicht mit unserer Meinung übereinstimmen. Wir glauben sie nicht und suchen weitere Quellen. Passt ein Beitrag aber in unser Weltbild, sind wir unkritisch und glauben ihn in der Regel ohne Prüfung. Bei der Beurteilung einer Information kann es also helfen, sich diesen Fehler bewusst zu machen. Auch Beiträge, denen wir spontan zustimmen würden, sollten wir kritisch prüfen. Das gilt besonders, wenn wir sie selbst online weiterverbreiten.

„Fake News“ erkennen

Wie eine kritische Prüfung aussehen kann, hat die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen online zusammengefasst. Hier ein paar nützliche Tipps:

1. Quellen prüfen
Wer ist Absender der Nachricht? Wirkt die Quelle seriös, gibt es zum Beispiel ein Impressum auf deren Website?

2. Faktencheck
Bestätigen andere Stellen die Fakten? Wenn die Fakten nicht selbst überprüft werden können, kann ein Faktencheck-Portal wie correctiv.org helfen.

3. Bildrecherche
Oft werden Bilder aus dem Zusammenhang gerissen. Mit der umgekehrten Bildersuche von Google kann man leicht die Bildquelle überprüfen.

Mehr dazu online bei der Landeszentrale.

Deutsche vertrauen etablierten Medien

Auch wenn es manchmal anders wirkt: Für die meisten Deutschen gelten die etablierten Medien nach wie vor als seriöse Quelle glaubwürdiger Informationen. Das Umfrageinstitut Infratest Dimap befragte dazu im Auftrag des WDR im September und Oktober 2020 Wahlberechtigte in ganz Deutschland. Zwei Drittel der Befragten halten die Berichterstattung der Medien für vertrauenswürdig. Das sind sechs Prozent mehr als im Vorjahr – der Höchstwert seit der ersten Befragung dieser Art im Jahr 2015.

Gute Noten für öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Die meisten Befragten vertrauen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk: 81 Prozent halten die Radiosender für glaubwürdig, 79 Prozent die Fernsehsender. Gleich danach kommen Tageszeitungen, die 74 Prozent der Befragten glaubwürdig finden. Auch beim Thema Corona, das in sozialen Netzwerken hitzig diskutiert wird, ergibt die Umfrage gute Noten für die Öffentlich-Rechtlichen: 82 Prozent der Teilnehmer finden die Berichterstattung des Fernsehens „gut“ oder „sehr gut“, beim Radio sind es noch 74 Prozent. Mit 68 Prozent „guten“ und „sehr guten“ Noten liegen auch hier Tageszeitungen auf dem dritten Platz.

Ganz egal, ob diese Zahlen jetzt in Ihr Weltbild passen: Sie können die Fakten selbst checken. Die genauen Ergebnisse der Umfrage gibt es beim Institut zum Nachlesen: Glaubwürdigkeit der Medien 2020.

 

Bildnachweis: Photo by Roman Kraft on Unsplash