Vertrauen teilen:
29. Oktober 2019 / Studie

Vertrauen braucht Zeit

Online-Glücksspiel wächst – doch der Aufbau von Vertrauen steht in diesem neuen Markt noch am Anfang. Wie eine repräsentative Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Handelsblatt Research Institutes ergab, misstraut die Hälfte der befragten Spieler digitalen Glücksspielangeboten.

Geld ausgeben, damit die eigenen Wünsche wahr werden. Zugegeben, ganz so einfach funktioniert Glücksspiel nicht, denn auch der Zufall hat hier noch ein gewichtiges Wort mitzureden. Doch gehen wir an den Anfang zurück: Würden Sie Ihr Geld jemandem anvertrauen, den Sie nicht persönlich kennen – und nicht kennenlernen können, weil dieser jemand statt eines Menschen eine Website ist?

Mit Online-Banking und -Shopping gibt es mehrere alltägliche Lebensbereiche, in denen wir diese Frage täglich und selbstverständlich bejahen. Schaut man aber auf den Glücksspielmarkt, sieht die Sache anders aus. Mehr als die Hälfte der im Auftrag des Handelsblatt Research Institutes befragten Spieler, die ausschließlich terrestrische Angebote nutzen, vertrauen Online-Glücksspiel generell nicht.

Online-Glücksspiel: Spielen immer und überall?

Online-Glücksspiel bietet die gleichen Möglichkeiten wie andere digitale Anwendungen: Das Spiel wird zu jeder Zeit und überall möglich, dazu kommt, dass die Auswahl der Spielformen am Laptop, Smartphone oder Tablet nahezu unbegrenzt ist. Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu spielen, ist jedoch nur für knapp ein Drittel der Befragten von Interesse. Auch die höhere zeitliche Flexibilität ist gerade für ein Fünftel der Online-Spieler ein Argument, ihr Glück im Internet zu suchen.

Ohne Vertrauen geht es nicht – das zeigt auch die Studie des HRI. Denn Konsumenten brauchen Vertrauen, um sich für einen Anbieter entscheiden zu können. Im „klassischen Glücksspiel“ bedeutet Vertrauen die Sicherheit von Ein- und Auszahlungen, den fairen Ablauf des Spiels und den Schutz Minderjähriger und gefährdeter Spieler.

Dass ähnliche Werte auch beim Spielen im Netz wichtig bleiben, zeigen die Antworten der Onlinespiel-Erfahrenen: Für sie ist die Sicherheit von Auszahlungen das A und O (43 Prozent), auch die Legalität ist ein wichtiger Faktor (35 Prozent) und zudem eine hohe Gewinnchance (32 Prozent) sowie die faire Durchführung des Spiels (32 Prozent).

Diese Versprechen haben die terrestrischen Glücksspielanbieter wie WestLotto über Jahre hinweg eingelöst und sich damit Kundenvertrauen erarbeitet. Wer ihnen seinen Spieleinsatz anvertraut, tritt dabei in persönlichen Kontakt mit den Mitarbeitern in den Annahmestellen.

Hinzu kommt aber auch, dass die Nutzung digitaler Optionen in manchen Bereichen heute noch erstaunlich wenig verbreitet ist. Zwar schreitet der Digitalisierungsprozess mit großen Schritten voran, aber eine vollumfängliche Vertrauensbildung in die technischen Lösungen allgemein steht noch aus.

Welche Chancen das Vertrauen hat

Auch terrestrische Spielanbieter führen Online-Angebote als zeitgemäße Geschäftsfelder ein. Mit dem Vertrauensvorsprung, den sie genießen, können sie den Prozess der Vertrauensbildung beim Online-Glücksspiel stärken. Dazu könnte auch die neue Spielergeneration der Digital Natives beitragen. Darüber hinaus empfehlen die Macher der Studie Anbietern digitalen Glücksspiels, neben dem neuen Qualitätskriterium des Datenschutzes auch traditionelle Werte zu berücksichtigen: also Ein- und Auszahlungen sicher abwickeln, Spiele fair und transparent aufsetzen und Spielerschutz gewährleisten. Auch ihre Partner – zum Beispiel Online-Zahlungsdienstleister – sollten die Anbieter mit Bedacht wählen. Gleichzeitig könnten neue technische Möglichkeiten wie die Blockchain-Technologie oder technische Lösungen im Bereich des Responsible Gaming dem Bemühen um Vertrauen Schub geben.

Vorbilder moderner Glücksspielgesetzgebung

Aus Sicht der Studienautoren spricht vieles dafür, dass sich die digitale Entwicklung des Glücksspiels in Deutschland nicht aufhalten lassen wird. Das zeigt sich an der schon heute großen Nachfrage und der immer selbstverständlicheren Nutzung digitaler Angebote. Vorbilder, an denen sich nicht nur Anbieter, sondern auch die Verantwortlichen einer modernen Glücksspielregulierung orientieren sollten, können Großbritannien und Dänemark sein. Beide Beispiele belegen, dass die Entwicklung des Glücksspielmarktes von wirksamer, staatlicher Regulierung abhängt. Durch eine kontrollierte Zulassung des digitalen Glücksspiels wurden attraktive regulierte Online-Märkte geschaffen. So wurde das ohnehin bestehende Publikumsinteresse vom nicht-regulierten Spiel weggelenkt.

Zur Studie

Die Studie mit dem Titel „Die Digitalisierung des Glücksspiels“ wurde vom Handelsblatt Research Institute (HRI) für Westlotto und die Löwen Entertainment GmbH im Oktober 2017 erstellt. Im Rahmen dieser Studie ließen die Autoren eine Primärdatenerhebung durch das Meinungsforschungsinstitut YouGov durchführen. Da das Online-Glücksspiel eine stark wachsende, aber dennoch junge Sparte des Glücksspielmarktes ist, stellt sich die Datenlage zu den Kenntnissen und Einstellungen der Bevölkerung gegenüber dem Online-Spiel bisher nicht so ausgeprägt dar wie die zum terrestrischen Spiel. Im Juni und Juli 2017 wurden daher für die YouGov-Umfrage 2.002 Personen in Deutschland zu ihrer Teilnahme an Glücksspielen sowie zu ihren Interessen und Kenntnissen in diesem Bereich befragt. Ein besonderer Fokus der Befragung lag auf den Entwicklungen im Bereich des Online-Spiels. Die gewählte Stichprobe war bevölkerungsrepräsentativ.

Die Studie steht zum Download bereit.

 

Dieser Artikel ist erstmals im Dezember 2017 auf diesem Blog erschienen. Die hier vorliegende Fassung ist überarbeitet.