Vertrauen teilen:
26. April 2020 / Einblick

Überstunden an der Nähmaschine

Überall in Nordrhein-Westfalen rattern derzeit die Nähmaschinen auf Hochtouren. Ehrenamtliche Initiativen, kirchliche Gruppen und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen produzieren so viele Behelfsmasken, die die Atemwege bedecken, wie es nur geht. Ein Beitrag von Oliver Schönfeld

Fröhliche Farbtupfer in einer schwierigen Zeit – dafür sollen die handgenähten Masken von „Mano nelle Mano“ sorgen. Die Upcycling-Firma der Evangelischen Stiftung Hephata in Mönchengladbach kümmert sich sonst darum, ausrangierten Kleidungsstücken durch geschicktes Schneidern ein zweites Leben einzuhauchen. Umfassendes Textil-Know-how ist also vorhanden, ebenso wie die Grundprodukte in Form hochwertiger Baumwollstoffe sowie die technische Ausstattung. Da lag die Idee auf der Hand, auf die Produktion von Behelfsmasken, sogenannten Mund-Nase-Masken umzusteigen. Natürlich – und das betonen alle Initiativen – handelt es sich nicht um ein Medizinprodukt oder einen zertifizierten Atemschutz. Gleichwohl können die Masken in Zeiten von Corona das persönliche Sicherheitsgefühl erhöhen und womöglich sogar Infektionen verhindern. Experten wie des Robert-Koch-Instituts (siehe Kasten) empfehlen das Tragen in der Öffentlichkeit.

 

Psychologische Unterstützung

In jedem Fall dienen die Masken made in Mönchengladbach mit ihrem bunten Look auch der psychologischen Unterstützung, unterstreicht die Textildesignerin Ghazal Schneider: „Steril und weiß nach Krankenhaus sollten sie nicht wirken.“ Als Grundmaterial dienen Baumwollstoffe, häufig gewaschene und dadurch schadstofffreie Bettwäsche. Die Stoffe stammen aus den vier „Hep-Shops“ der Stiftung, wo Ware aus zweiter Hand verkauft wird. Alle helfenden Hände packen derzeit mit an, gut 150 Masken schafft das Team pro Tag, erklärt Abteilungsleiterin Elke Ipp: „Uns liegen schon gut 1.500 Bestellungen vor und täglich werden es mehr.“ Genäht werde für Hephata, vor allem den Bereich Wohnen. Aber auch Privatpersonen können die bunten Unikate kaufen.

 

Heimarbeit

Alle nähen mit – unter diesem Motto hat die Diakonie im Kirchenkreis Kleve gut 25 ehrenamtliche Helfer gewonnen, die aktuell Masken in Heimarbeit fertigen. „Das ist ein toller Erfolg, für den wir uns herzlich bedanken“, erklärt Pressesprecher Stefan Schmelting. Diakonie-Beschäftigte, die nun im Homeoffice arbeiten und Zeit erübrigen, helfen ebenso mit wie Pensionäre oder Menschen mit Migrationshintergrund, die in normaleren Zeiten teils selbst die Betreuungsangebote der Diakonie nutzen. Mehrere Hundert Masken sind bereits zusammengekommen. Und täglich wird weitergenäht. Die Diakonie verwendet professionelle OP-Masken dort, wo sie tatsächlich nötig sind. Die selbst genähten Modelle werden von Pflegefachkräften, von Betreuerinnen und Betreuern des Ambulant Betreuten Wohnens und Mitarbeitern der Diakonie-Beratungsangebote getragen. „Damit das mit dem notwendigen Abstand überhaupt möglich sein kann, sind die Masken eine unabdingbare Hilfe“, erklärt Schmelting weiter.

 

Abstand wahren

Da die üblichen Hersteller kaum Nachschub liefern können, behelfen sich vielerorts Diakonie und kirchliche Gruppen selbst. So auch bei „diakonis“ in Detmold: Hier griffen Mitarbeitende und Ehrenamtliche kurzerhand zu Schere, Nähmaschine und Stoffen. Abstand zu halten, das ist in der Pflege nicht ohne Weiteres möglich. Sowohl in den Seniorenzentren als auch im Ambulanten Dienst sind die diakonis-Mitarbeiter weiterhin ganz nah am Menschen. Die selbst gefertigten Masken sind hier besonders wichtig. Mindestens 1.000 Stück wollen die ehrenamtlichen Helfer daher nähen.

 

Produktion verdoppelt

In noch größeren Dimensionen plant Martin Henke, Geschäftsführer von „proWerk“. Die Werkstatt für Menschen für Behinderungen gehört zu den Stiftungen Bethel (Bielefeld) und verfügt über einen Textilbereich mit 35 Industrienähmaschinen. Zu den Klassikern gehören die beliebten Geschirrtücher im Design der Bauhaus-Künstlerin Benita Koch-Otte. Farbenfrohe Karos, gerne auch in kräftigen Kontrasten wie Türkis-Grün-Rot, bringen eine frische Atmosphäre in jede Küche. Doch jetzt hat die Textilwerkstatt die Produktion komplett auf Mund-Nase-Masken umgestellt. „Die Nachfrage ist regelrecht explodiert, erst recht nach der jüngsten Empfehlung des Robert-Koch-Instituts“, sagt Henke. Rund 300 Masken fertigt proWerk derzeit pro Tag, mit weiteren Leihmaschinen solle die Produktion kurzfristig auf bis zu 600 Stück verdoppelt werden. Anfragen von Privatpersonen können aktuell nicht bedient werden, erklärt Henke weiter: „Wir bringen die Masken in Bielefeld und Ostwestfalen dorthin, wo sie am nötigsten gebraucht werden – zu Krankenhäusern, ambulanten und stationären Pflegediensten.“

 

 

 

Fotos: Andrea Bowinkelmann

40 Prozent der Spieleinsätze bei WestLotto gehen an das Land NRW, das daraus gemeinnützige Institutionen aus Wohlfahrt, Sport, Kunst und Kultur sowie Umwelt und Denkmalschutz fördert – zum Beispiel die Diakonie. Während der vergangenen Jahrzehnte sind bereits mehr als 28 Milliarden Euro in das Gemeinwohl geflossen, 637 Millionen Euro allein 2019. Davon profitieren alle in NRW – auch Sie!

>> www.lotto-prinzip.de