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24. Juli 2018 / Vertrauen und Träume (III)

Träum weiter!

Träumen. Vertrauen. Siegen. Diese drei haben mehr miteinander zu tun, als man auf den ersten Blick meinen mag. Ein Porträt über Jan Laufer, Vize-Europameister im Beach Flags.

Ein schriller Pfiff! Jan Laufer drückt sich hoch, jeder Muskel in seinem Körper ist angespannt. 20 Meter trennen ihn am Strand von Ostende in Belgien von seinem großen Traum – einer kleinen Flagge. Seine Füße trommeln auf den Sand, er wirft den Oberkörper nach vorne. Sein Gegner Allan Badian erwischt den besseren Start, ist einen kleinen Schritt voraus. Jan gibt nicht auf. Noch fünf Meter bis zum Ziel. Beide Konkurrenten springen ab, fliegen die letzten Meter. Badian erwischt die Flagge. Aus der Traum! Jan Laufer ist „nur“ Vize-Europameister im Beach Flags.

 

Eine Traumkarriere?

So ereignete es sich im September 2017, bei der European Lifesaving Championship in Belgien. An den Moment nach dem Finallauf erinnert sich Jan Laufer noch genau: Trauer habe ihn erfüllt. 15 Läufe hat er vorher bestritten, um ins „Beach Flags“ Finale zu kommen. Beach Flags, das ist „Die Reise nach Jerusalem“ für Rettungssportler. 16 Läufer liegen am Strand auf dem Bauch. 20 Meter hinter ihnen stehen 15 Flaggen. Auf Pfiff stoßen sich die Sportler hoch, drehen um und geben Gas. Wer keine Flagge bekommt ist raus – der Rest geht wieder an den Start.

Jan Laufer startete als deutsches Talent in der Juniorenklasse. Der heute 18-jährige Gelsenkirchener darf auf eine irre Erfolgsgeschichte zurückblicken: Erst 2016 fing er mit dem Sport bei der DLRG Gelsenkirchen an und räumte als Läufer direkt deutsche Meistertitel ab. Ein absolutes Ausnahmetalent? Eine Traumkarriere? Talent schon, ganz unerfahren war Laufer nicht. Seit 2006 ist er im Leichtathletikverein SuS Schalke 1896 aktiv, sammelt hier als Sprinter Erfahrung. Über einen Freund kam er zur DLRG. „Die haben damals einen Sprinter gesucht – das bin ich eindeutig“, grinst Laufer verschmitzt.

Jan Laufer sprintet nicht nur in Richtung Flagge. Er startet für das deutsche DLRG-Nationalteam auch im 90-Meter-Sprint am Strand. Auch hier platzt Laufers Gold-Traum, scheitert er knapp – wieder gibt es „nur“ EM-Silber. „Mein Traum in diesem Sport hat sich immer weiterentwickelt“, berichtet Laufer. Ursprüngliches Ziel war es, ins Nationalteam aufgenommen zu werden. Aber sein Traum entwickelt sich weiter. „Bei den Europameisterschaften habe ich in den Vorläufen gemerkt: Da geht was!“ Träume definieren sich neu, auch im Sport. Das neue Ziel: Ab aufs Treppchen. Und wer im Finale steht, der träumt auch von Gold? Das Bild des glänzenden Edelmetalls hat sich in Jan Laufers Kopf fest eingenistet, diesen sportlichen Traum will er realisieren. „Ich weiß, dass ich im Sprint gewinnen kann“, ist Laufer überzeugt. In der Staffel hat das schon geklappt! Laufer und seine drei Kollegen aus dem DLRG-Team sprinteten zum Sieg.

 

Titeltraum

Das große Ziel für den Gelsenkirchener ist es aber, auch im Einzel die Nr. 1 zu werden. „Das wird aber schwierig, denn erstmal muss ich nominiert werden“, steckt Laufer zurück. Zwei Silbermedaillen und einmal Gold in der Staffel – sollte eine erneute Nominierung für den Nationalkader da nicht selbstverständlich sein? „Ich bin jetzt 18, damit kann ich nicht mehr im Juniorenbereich starten“, erklärt Jan Laufer. Und rudert erstmal zurück, von Titeltraum zur Nominierung. Die Erfüllung eines Traums ist oft eine langfristige Sache …

Bis zur Entscheidung, wer in den Nationalkader kommt, es ist es noch ein weiter Weg. Um seinen Traum zu erreichen, muss Jan einiges in Kauf nehmen. Aus fünf Mal Training pro Woche wird jetzt sieben Mal. Das kostet Zeit. Zeit, die Familie und Freundin manchmal gerne mit ihm hätten. „Musst du schon wieder zum Training?“ „Bist du das ganze Wochenende auf einem Wettkampf?“ Diese Fragen hat Jan Laufer schon oft gehört. „Aber alle verstehen meinen Ehrgeiz und unterstützen mich“, freut sich Laufer. Sogar sein Opa Georg. Er war beim Finale in Ostende dabei. „Er kennt mit 86 Jahren die Regeln nicht mehr so genau. Aber er war mit Abstand der Lauteste am Strand“, freut sich Laufer und zeigt stolz das Finalvideo, in dem man den Opi laut den Namen seines Enkels rufen hört.

 

Die Erfüllung eines Traums

Wer hilft noch bei der Erfüllung des Traums? „Natürlich meine Trainer“ stellt Laufer klar. Sowohl sein Leichtathletik-, als auch sein DLRG-Trainer seien enorm wichtig. Die beiden denken sich immer neue Trainingsmethoden für den Sportler aus. Denn Sandsprint ist in Gelsenkirchen gar nicht so einfach zu trainieren. „Gerade im Winter gibt es kaum Möglichkeiten“, kritisiert Laufer. Daher weicht er je einmal pro Woche nach Wattenscheid und Düsseldorf aus. Die Hallen seien dort besser.

Jan Laufer arbeitet hart, für die Erfüllung seines Traums. Was wäre der Albtraum? „Eine Verletzung“ kommt wie aus der Pistole geschossen. Drei Mal auf Holz geklopft, dass es dazu nicht kommt.

 

* Dieses Porträt entstand während einer in Kooperation von der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen und WestLotto organisierten Projektwoche zum Thema „Träumen“. Die verantwortliche Projektgruppe setzte sich zusammen aus Leonie Brüggestrat, Leonard Fischer, Lucia Frowerk, Marvin Hoffmann, Lutz Niemeyer, Julius Paul Prior, Maren Schiller, Kai Schräder, Isabell Antonia Steinhüser, Marlene Wenz und Henrik Wissing
Jan Laufer beim Solosprint