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11. Dezember 2020 / Einblick

„Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum“

Auch wenn dieses Jahr zu Weihnachten vieles anders ist – Geschenke wird es trotzdem geben. Tiere stehen dabei wieder auf vielen Wunschzetteln: ein Hamster, ein Hund oder vielleicht sogar ein Pony. Keine gute Idee, findet Dr. Ralf Unna vom Landestierschutzverband Nordrhein-Westfalen. Hier erklärt er, warum man Tiere nicht verschenken sollte.

„Ein Tier bedeutet Verantwortung“, sagt Unna, der in Köln als Tierarzt praktiziert. Und diese Verantwortung reicht mitunter bis weit in die Zukunft. Ein Dackel zum Beispiel kann ohne weiteres 15 Jahre alt werden. Für Frauchen oder Herrchen bedeutet das: 15 Jahre lang füttern, Gassi gehen, Steuern und Versicherung bezahlen – und auch den ein oder anderen Tierarztbesuch.

Der zeitliche und finanzielle Aufwand für kleinere Tiere fällt in der Regel geringer aus als für Hunde oder Katzen. An der grundsätzlichen Verantwortung für ein Lebewesen ändere das aber nichts, sagt Unna: „Eine Farbmaus wird auch bei guter Pflege selten älter als zwei Jahre. Aber in dieser Zeit müssen Sie sich um die artgerechte Haltung kümmern, für einen Käfig sorgen, der groß genug ist, und den regelmäßig säubern.“

Deshalb rät Unna nicht nur zu Weihnachten davon ab, ein Tier zu verschenken: „Kinder, die sich ein Tier wünschen, sollten es sich mit den Eltern zusammen erarbeiten.“ Eltern können dafür ruhig den Wunsch ihrer Kinder auf die Probe stellen. Zum Beispiel kann die Familie einen Hund in Pflege nehmen. „Früher aufstehen, füttern, morgens, mittags und abends Gassi gehen: Wenn meine Tochter oder mein Sohn nach zwei Wochen immer noch einen Hund will, kann die Familie weiter über eine Anschaffung nachdenken.“

Zu oft würden sich Menschen spontan ein Tier zulegen, so der Experte – gerade zu einem für viele so emotionalen Anlass wie Weihnachten. Die längerfristigen Konsequenzen würden ihnen erst später klar. Deswegen stoppen die Tierheime in Nordrhein-Westfalen alle Jahre wieder die Vermittlung in dieser Zeit, um nicht zu Spontankäufen beizutragen. „Ich wundere mich immer wieder über Menschen, die sich erst kurz vor ihrem Sommerurlaub fragen, was sie mit ihrer neuen Katze oder ihrem Hund in dieser Zeit machen sollen“, sagt Unna. Der unbequem gewordene Vierbeiner lande dann oft im Tierheim.

Hunde, Katzen, Nager und Co. gehören für den Tierarzt daher auf keinen Fall unter den Weihnachtsbaum. Stattdessen empfiehlt er Zubehör oder Ratgeber als Geschenke. „Für Nager können Eltern mit ihren Kindern auch schon mal einen Stall bauen. Den Hamster oder das Meerschweinchen schaffen dann alle gemeinsam an.“ Wer selbst keine Tiere halten will oder kann, für den kann eine Tierpatenschaft oder eine Mitgliedschaft in einer Tierschutzorganisation ein schönes Geschenk sein.

 

Bild: Photo by Trevor Neely on Unsplash

Können wir von Tieren lernen, unseren Instinkten mehr zu vertrauen? Kann die Verantwortung für Tiere einem helfen, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen? Hören Sie dazu unsere Podcastfolge Tiere vertrauen nicht jedem Menschen