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24. Februar 2021 / Einblick

„Soziale“ Netzwerke? Jugendschutz neu denken

Digitale Klassenräume, chatten in der Freizeit: Die Mediennutzung junger Menschen hat sich grundlegend verändert – nicht nur zum Guten. An welchen Stellen der Jugendschutz mitwachsen muss.

Keine Frage: Junge Menschen brauchen für ihre Zukunft Digitalkompetenz. Und so sind bereits 40 Prozent der 6- bis 12-Jährigen regelmäßig in sozialen Netzwerken aktiv. Doch für manche ist dieser Lernprozess schmerzhaft, denn Kinder und Jugendliche werden in sozialen Netzwerken zunehmend gehänselt oder gemobbt. Das ergab eine Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing im Dezember 2020. Die Studie wurde bereits zum dritten Mal durchgeführt und zeigt: Die Zahl der von Cybermobbing Betroffenen zwischen acht und 21 Jahren ist seit 2017 um 36 Prozent gestiegen.

Corona als Brandbeschleuniger beim Cybermobbing

Im analogen Alltag, also lange vor Corona, endeten die Gemeinheiten mit dem Schulschluss. Seit sich die Klassengemeinschaften aber auch in ihrer Freizeit digital austauschen, gehen Hänselei und Mobbing für fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche weiter. Hierbei wirkt die Pandemie als Brandbeschleuniger: Tägliche Digitalzeit ist unausweichlich geworden, viele Kontakte haben sich ins Internet verlagert. „Die Zahlen zeigen uns auch, dass sich das gelernte ‚negative Verhalten‘ der Jugendlichen nicht verändert hat, weil es nicht sanktioniert wurde“, sagt Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender des Bündnisses. „Die Täter kommen fast immer ungestraft davon. In vielen Fällen ist vor allem die Anonymität im Netz das Problem.“

Eltern nehmen in der Studie nicht nur die Schulen, sondern auch den Staat in die Pflicht und fordern ein konkretes Cybermobbing-Gesetz. Aktuell gilt das Jugendschutzgesetz, das zuletzt 2002 reformiert wurde: Vor allem soll es davor schützen, mit gefährdenden – etwa pornografischen oder gewaltverherrlichenden – Inhalten konfrontiert zu werden. Doch 2021 konsumieren junge Menschen online nicht nur mehr oder weniger zufällig gefundene Inhalte, sondern sie sind aktiv im Netz unterwegs. Neben Cybermobbing schafft das weitere Risiken: etwa Gaming-Fallen, die unerfahrene Spielerinnen und Spieler um ihr Taschengeld bringen.

Reform des Jugendschutzgesetzes – was ist neu?

Eine Gesetzesreform, die vergangenen Oktober beschlossen wurde, soll diese Gefahren entschärfen. Demnach sollen Anbieter etwa zu Voreinstellungen verpflichtet werden, die Kinder und Jugendliche vor Mobbing und sexualisierter Ansprache, aber auch vor Kostenfallen beim Spielen schützen: Sogenannte „Lootboxen“ – das sind virtuelle Schatzkisten gefüllt mit vorteilsbringenden Gegenständen, die im Spiel für echtes Geld gekauft werden können – sollen standardmäßig deaktiviert werden. Als weitere Stellschrauben sollen Hilfs- und Beschwerdesysteme und bessere Möglichkeiten für Eltern eingeführt werden, die Mediennutzung ihrer Kinder zu begleiten und zu steuern. Die erste Lesung im Bundestag fand im Dezember statt. Wenn Bundestag und Bundesrat das Gesetz verabschieden, könnte es im Frühjahr 2021 in Kraft treten.

Smart Camps: Hilfe für Schulen

Die Initiative BG3000 veranstaltet an Schulen in ganz Deutschland sogenannte „Smart Camps“, um die Digitalkompetenz junger Menschen zu stärken. In Zusammenarbeit mit WestLotto und dem TÜV Rheinland haben die Initiatoren ein innovatives Konzept zum Thema Gaming und Gambling erarbeitet: Bei „SMART CAMP – Create & play responsibly“ erlernen Schülerinnen und Schüler über mehrere Tage den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Spielangeboten. Dabei behandeln sie Fragen wie diese: Wie kann ich Stress oder sogar Sucht vermeiden? Wie schütze ich meine Daten? Wie erkenne ich unseriöse Anbieter? Das Ziel: Kinder und Jugendliche sollen die Gefahren der virtuellen Welt ebenso gut kennen wie die der analogen. Denn das Digitalzeitalter wird ihr Leben maßgeblich prägen.

 

Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash

Das Smartphone ist immer dabei. Edith und ihre Klassenkameraden können sich ein Leben ohne ständigen digitalen Begleiter kaum noch vorstellen. Doch der verantwortungsbewusste Umgang mit den neuen digitalen Angeboten muss genauso gelernt werden wie Rechnen oder Schreiben. Mehr zum innovativen Smart-Camp-Konzept lesen Sie hier.