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27. Juli 2021 / Interview

„Man bekommt Gänsehaut“

Das Zauberwort heißt Paris. Während in Tokio die großen Stars um olympische Medaillen kämpfen, träumt die nächste Generation schon von den Sommerspielen 2024 in der französischen Hauptstadt.

Badmintonspielerin Ann-Kathrin Spöri ist eine von drei Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten, die WestLotto dabei unterstützt, ihren enormen Trainingsaufwand und ein Studium miteinander zu verbinden. In unserem Interview erzählt sie, was sie an Olympischen Spielen fasziniert, warum Europa ruhig mal nach Indonesien schauen sollte – und wie sie über 2024 denkt.

 

Frau Spöri, bei den Olympischen Spielen ist in diesem Jahr alles anders. Keine Zuschauer, kein Miteinander im Olympischen Dorf. Ist der Traum von Olympischen Spielen für Sie trotzdem noch eine Motivation, die Sie antreibt?

Ja. Olympia ist für viele, und so auch für mich, eine große Motivation. Das Besondere für mich ist, dass der Wettkampf anders als alle anderen ist. Man ist ein viel größeres Team; es gibt viele Erfahrungen neben dem Sport und man kommt mit anderen Sportlern in Kontakt. Auch in einem Olympischen Dorf zu wohnen, die Eröffnungsfeier und vieles weitere, sind Erlebnisse, die man sonst bei keinem Turnier hat. Ich glaube, dieses ganze Drumherum macht Olympia zu dem besonderen Sportereignis. Natürlich ist durch die aktuelle Situation vieles anders und ich denke, das hat die Motivation für viele ein wenig gebremst. Ich hoffe allerdings, dass die nächsten Olympischen Spiele wieder normal stattfinden.

 

Gibt es den einen olympischen Moment, der Ihnen in Erinnerung geblieben ist?

Ich selbst war bei den Olympischen Jugendspielen 2018 in Buenos Aires. Der Moment, der mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, war die Eröffnungsfeier. Wir standen am Obelisk mitten in der Innenstadt in Buenos Aires. Um uns herum waren Tausende von Menschen, die zugeschaut haben. Als dann die Olympischen Ringe in Feuer aufgingen, habe ich erst wirklich realisiert, dass ich mein Ziel bei Jugend-Olympia dabei zu sein, erreicht hatte. Mein Lieblingsmoment als Fernsehzuschauerin war der Auftritt im Eiskunstlaufen von Aljona Savchenko und Bruno Massot, mit dem sie 2018 in Sotschi Gold gewannen. Ich selbst habe früher Eiskunstlaufen gemacht. Die Kür war perfekt und die anschließenden Emotionen sind auf die Zuschauer übergegangen. Ich denke, so ein Moment möchte jeder Sportler erleben.

 

Badminton erfährt in Deutschland leider nicht immer die große Aufmerksamkeit. Wie erleben Sie die Aufmerksamkeit bei Wettkämpfen in anderen Ländern?

Das beste Beispiel ist Indonesien. Dort ist Badminton wie Fußball hier. Man bekommt Gänsehaut, wenn man auf dem Feld steht und die Zuschauer einen anfeuern. Das ist schon etwas anderes als hier in Deutschland oder auch Europa. Generell würde ich sagen, da können sich die Europäer noch viel von den Indonesiern abschauen. Es macht dann auch einfach mehr Spaß.

 

Inwieweit war es Ihnen in der Corona-Pandemie denn überhaupt möglich, zu trainieren?

Wir hatten das Glück, dass wir fast normal trainieren durften. Wir mussten nur einen Monat komplett aus der Halle. Als wir dann wieder in die Halle durften, gab es strenge Hygieneregeln und wir durften nur Eins gegen Eins trainieren.  Nach und nach hat sich dann das Training immer mehr normalisiert. Generell bin ich sehr glücklich, dass wir das Privileg hatten, zu trainieren. Es ist nicht selbstverständlich.

 

Was vielen Menschen besonders fehlt, ist das Miteinander. Haben Sie sich trotz Pandemie dieses Teamgefühl im Verein und in der Trainingsgruppe erhalten können?

Anfangs war das durch das Einzeltraining schwieriger. Jeder hatte seine eigene Ecke in der Halle. Man konnte sich kaum unterhalten. Auch die Unternehmungen neben dem Sport fielen weg. Das war schon sehr komisch. Inzwischen kann man zum Glück wieder einiges unternehmen. Das tut so wie allen Menschen auch uns Sportlern gut. Es gibt jetzt eine ganz andere Stimmung im Training.

 

Die nächsten Sommerspiele sind schon 2024 in Paris. Auch für Sie das große Ziel?

Ja klar! Einfach ist es nie, aber unmöglich auch nicht. Im Moment bin ich aber erstmal froh, wenn die Turniere wieder regelmäßig stattfinden und es auch eine Abwechslung zum täglichen Training gibt. Dann kann 2024 auch gerne Olympia kommen!

 

 

Foto: Badminton Europe

Ann-Kathrin Spöri

Die 19-jährige Maschinenbaustudentin ist im Bundeskader des Deutschen Badminton-Verbandes, viermalige Deutsche Meisterin in der Altersklasse U15 bis U19 und Silbermedaillengewinnerin bei der Team-EM in Frankreich 2019. 2018 nahm Spöri an den Olympischen Jugendspielen teil.