Vertrauen teilen:
30. April 2020 / Einblick

Lasst die Klorolle kreisen

Achtung, Tisch. Uh, da kommt das Sofa. Ein bisschen muss Kathleen aufpassen, dass es mit ihr bei den spanischen Zumba-Rhythmen nicht durchgeht. Aber die Trainerin des TV Jahn-Rheine ist Profi, es droht keine Gefahr. Ihre Kollegin Marion stemmt Halbliter-Wasserflaschen, das ist ein prima Ersatz für Hanteln. In Dortmund, beim TSC Eintracht, versucht Martin in einer Minute so viele Wäscheklammern an die kleine Antonia zu stecken, wie es nur geht. Und umgekehrt natürlich. Ein Heidenspaß. Ein Beitrag von Carolin Schumacher

Nordrhein-Westfalens Vereine legen sich in Corona-Zeiten nicht auf die faule Haut, sondern werden kreativ. Wenn die Sporthallen und -plätze geschlossen sind, dann kommen sie eben zu ihren Mitgliedern, und zwar digital. „Beim ersten Facebook-Live-Kurs waren 60 Leute dabei“, berichtet Larissa Vollrath vom TV Jahn-Rheine. Die 31-Jährige ist dort zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Ehrenamtsförderung. Mittlerweile hat der Verein aus dem Kreis Steinfurt bereits ein ganzes Kursprogramm auf die Beine gestellt.

 

Garten, Terrasse oder Kursraum

Wer tagsüber keine Zeit hat, wird aber ebenfalls versorgt: Auf der Webseite des TV finden sich mittlerweile über 80 Videos von Trainern unterschiedlichster Sparten, die alle eines wollen: Dass ihre Mitglieder fit bleiben und mit ihnen in Kontakt – wenn auch über Distanz. Ob Cheerleading, Karate, Yoga, Volleyball, Fitness-Workouts – die Übungsleiter nutzen ihre Gärten, Terrassen und den Kursraum des TV als Videostudio. Mehr als ein Smartphone braucht man dafür im Zweifel nicht.

 

Matten gegen den Hall

Diejenigen, die als Hauptamtliche in den Vereinen arbeiten, haben natürlich den Ehrgeiz, auch jetzt so gutes Material wie nur möglich zu liefern. Daniel Anders, 28 Jahre alt und schwerpunktmäßig als Fitness-Trainer beim TSC Eintracht Dortmund unterwegs, spricht begeistert von den Anfängen. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er sich in das Thema Technik eingearbeitet. Filmen, Ton, Schnitt – das haben sie jetzt alles drauf. Der Kursraum beispielsweise wurde kurzerhand mit Matten ausgelegt, als sie merkten, dass es wegen der Leere zu sehr hallte.

 

Applaus bedeutet: höherdrehen

Die Livekurse wie Pilates, Gesunder Rücken oder Cardio Power werden mittels der Plattform Zoom übertragen. Wer teilnehmen will, geht auf die entsprechende Webseite, gibt dort eine „Konferenznummer“ ein und sieht dann schon Daniel Anders oder seine Kollegen. „Man hofft, dass die Teilnehmer im Hintergrund mitmachen, dass sie Spaß haben“, berichtet Anders über das auch für ihn ungewohnte Format. „Der Vorteil bei Zoom ist, dass es eine Art parallelen Chat gibt – und da hat sich schon so eine Art Geheimsprache entwickelt.“ Werde das Emoji Daumen hoch, ein kleines Bildsymbol, dort rückgemeldet, bedeute das: Der Ton ist okay. „Applaus bedeutet, ihr müsst höherdrehen! Die Leute sind so enorm dankbar, das ist richtig schön“, sagt Anders. „Jüngst hatten wir 95 Teilnehmer bei einer Stunde.“ Mit Freude und Humor macht das Schwitzen gleich mehr Spaß: Und so lässt Anders bei der Rumpfkräftigung Klorollen kreisen – das Trainingsgerät der Stunde.

 

Zumba und Pilates mit der Staatsministerin

Rund 7.000 Mitglieder hat der TSC Eintracht, erläutert Alexander Kiel, der Vereinsvorsitzende. Was die Größe des Vereins betrifft, so sei man wahrscheinlich in NRW unter den Top Ten. Auch der TV Jahn-Rheine bringt mit noch mehr Mitgliedern – hier sind es rund 9.000 – natürlich eine gewisse Stärke mit sich.  Aber allein sind sie mit ihren Bemühungen ganz und gar nicht. Der Landessportbund Nordrhein-Westfalen hat unter dem Motto „Zusammenrücken mal anders“ eigens eine Seite für Angebote dieser Art zusammengestellt – die Vereinsliste geht von Siegen über Ratingen bis nach Lemgo. Wer mag, kann darüber sogar mit Nordrhein-Westfalens Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, Andrea Milz, trainieren. Ihr Heimatverein, der TV Eiche Bad Honnef, hat sie mit Zumba, Pilates und Hot Iron im Programm.

 

Faltblatt für Senioren

Aber auch die Älteren werden nicht vergessen: Senioren ist eine eigene Rubrik gewidmet. Nur – viele tun sich vielleicht schwer mit dem Internet? „Die vergessen wir nicht“, erklärt Larissa Vollrath vom TV Jahn-Rheine. „Wir haben gerade eine Telefonaktion hinter uns und 850 Mitglieder kontaktiert. Wir haben sie gefragt, wie es ihnen geht, ob sie vielleicht gern die Einkaufs- und Besorgungen-Hilfe unserer ‚Vereinsengel‘ nutzen möchten.“ In Dortmund wird Senioren, die sich von Vereinsmitgliedern beim Einkauf helfen lassen, ein Faltblatt mit Bewegungsideen und Übungen dazugelegt.

 

„Ihr fehlt mir“

Beide Vereine machen in dieser Krise so gute Erfahrungen mit den Online-Angeboten, dass sie sich sicher sind, nach Corona Ähnliches weiterführen zu wollen. Trainerin Kathleen freut sich, wie bestimmt all ihre Mittanzenden, aber vor allem auf ein Wiedersehen. „Ihr fehlt mir“, sagt sie in die Kamera. Und sie macht Mut. „Erst noch einsam, dann wieder gemeinsam!“

 

Vereine und Trainer erhalten Corona-Hilfe

Auch für die rund 17.900 Sportvereine Nordrhein-Westfalens gibt es wegen der Corona-Krise finanzielle Hilfen. Für den von Bund und Land aufgespannten Rettungsschirm werden gemeinnützige Sportvereine, die einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb unterhalten, Hilfe erhalten (wie Betrieb eines Fitness-Studios, Beschäftigung hauptamtlicher Trainer usw.). Außerdem können freiberufliche Trainer und Übungsleiter Unterstützung beantragen (Haupterwerb, soloselbständig etc.). Andrea Milz (NRWStaatssekretärin für Sport und Ehrenamt) sowie Stefan Klett (Präsident Landessportbund NRW) teilten darüber hinaus am vergangenen Mittwoch mit, dass auch gemeinnützige, nicht wirtschaftliche Vereine Unterstützung bekommen. Für sie steht ein vom Landtag beschlossener Extra-Topf in Höhe von zehn Millionen Euro bereit.

­­>> www.wirtschaft.nrw/corona

 

 

Foto: TSC Eintracht Dortmund

40 Prozent der Spieleinsätze bei WestLotto gehen an das Land NRW, das daraus gemeinnützige Institutionen aus Sport, Kunst und Kultur, Umwelt, Denkmalschutz und Wohlfahrt fördert – so auch den Landessportbund NRW. Während der vergangenen Jahrzehnte sind bereits mehr als 28 Milliarden Euro in das Gemeinwohl geflossen, 637 Millionen Euro allein 2019. Davon profitieren alle in NRW – auch Sie!

>> www.lotto-prinzip.de