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25. August 2022 / Interview

„Ich möchte der Natur etwas zurückgeben“

Früh an der Angel: Fabian Gräfe konnte gerade laufen, als sich seine Leidenschaft für Gewässer und Wassertiere ihren Weg bahnte. Inzwischen ist das WestLotto-Toptalent Fischwirtschaftsmeister beim Rheinischen Fischereiverband und beteiligt sich an Projekten zur Renaturierung von Gewässern und zum Schutz bedrohter Fischarten.

LANDESSPORTBUND NRW: FABIAN, WIE BIST DU ZUM ANGELN GEKOMMEN?

Fabian Gräfe: Opa war’s! Ich war vermutlich keine anderthalb Jahre alt, als er mich das erste Mal zum Angeln mitnahm. Klingt komisch, aber Opa hat bei mir den Grundstein für alles Weitere in meinem Leben gelegt – vom Angeln als Hobby bis zum heutigen Beruf in der Wiederansiedlung von Wanderfischen.

WAS HAT ANGELN MIT SPORT ZU TUN?

Gute Frage. Für mich ist es keine Sportart, bei der es um körperliche Verausgabung geht. Für mich persönlich liegt die sportliche Herausforderung darin, möglichst schnell und effektiv für den Schutz der Gewässer sowie der Fische und Muscheltiere, die auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen, zu sorgen. Das ist mein langfristiges Wettkampfziel.

EIN INTERESSANTER ASPEKT. WORAUF KOMMT ES DIR BEIM ANGELN AN, WENN WEDER MENGEN NOCH BESTZEITEN EINE ROLLE SPIELEN UND DAMIT DIE SONST ÜBLICHEN LEISTUNGSKRITERIEN DES SPORTS NICHT RELEVANT SIND?

Wie schon mein Opa, schätze ich die Ruhe, die beruhigende Wirkung des Angelns und der Natur. Das funktioniert bei mir immer, egal, ob ich allein oder in der Gruppe unterwegs bin. Ich komme runter, kann abschalten und die Gedanken schweifen lassen. So regelt sich auch mancher Stress wie von selbst. Da muss ich die Lösung des Problems nur noch vom Haken nehmen (schmunzelt).

ABER HAST DU NICHT AUCH SCHON EINMAL SO EINEN RICHTIG DICKEN FISCH VOM HAKEN GENOMMEN?

Doch, klar. Ich habe mal einen Barsch mit stattlichen 54 Zentimetern geangelt. Das war zwar nicht mein größter, aber mein beeindruckendster Fang. Für diese Fischart eine echte Ausnahmegröße.

TOLL! UND WAS MACHST DU MIT DEN GEFANGENEN FISCHEN?

Das kommt darauf an. Ich esse gerne Fisch. Je nachdem, wo ich angle, muss ich aber einige Fische wieder zurücksetzen. Zum Beispiel, wenn der Fang zu klein, zu groß oder eine Fischart besonders geschützt ist. Ich weiß ja vorher nie, was beißt. Erwische ich aber einen, der perfekt in die Küche passt, wird alles Weitere schön zelebriert. Mir liegt viel daran, die gefangenen Fische mit dem gebotenen Respekt zu behandeln und zuzubereiten. Am liebsten bereite ich Barsch übrigens fein gewürfelt mit Limetten, Koriander und Tomaten zu, so wie beim peruanischen Ceviche.

GUTE IDEE. WAS IST FÜR DICH DAS BESONDERE AN DEINEM JOB ALS FISCHWIRTSCHAFTSMEISTER?

Im Grunde möchte ich der Natur mit meiner Arbeit etwas zurückgeben. Ich angle zwar und nutze so die Natur, setze mich aber auch dafür ein, dass die Fische die besten Bedingungen vorfinden. Es ist ein Nehmen und Geben. Aktuell arbeite ich beim Rheinischen Fischereiverband in einem Projekt zur Wiederansiedlung des atlantischen Lachses und zum Schutz anderer Wanderfische. Wir setzen pro Jahr etwa eine halbe Million junger Lachse aus. Dabei ist auch die Durchgängigkeit der Gewässer ein entscheidendes Thema.

WASSERKRAFT, WEHRE, RENATURIERUNG? WAS HAT ES DAMIT AUF SICH?

Im Zuge der Energiewende klingt Wasserkraft als Energieerzeuger zunächst einmal unproblematisch. Um Wasserkraft zu nutzen, werden Wehre eingesetzt. Und das sind die unüberwindlichen Barrieren für Wanderfische. Was die Renaturierung betrifft, so hilft der Blick zurück ins Ahrtal im vergangenen Jahr. Da ist uns allen vor Augen geführt worden, dass Flüsse Platz benötigen. Wenn sie sich ihr Flussbett bahnen können und Ausgleichsflächen in Hochwasserzeiten das überschüssige Wasser aufnehmen, ist die Balance gewahrt. Wenn der Fluss jedoch als Wasserautobahn zusammengepfercht wurde, halten sich darin nur schwimmstarke Fische. Kleine Fische, Kleinkrebse und Fischnährtiere habe keine Chance. Das hat mit Artenvielfalt gar nichts zu tun. Und führt obendrein zum Insektensterben, da an begradigten Füssen auch die Flora verarmt. Es hängt einfach alles mit allem zusammen.

Das Interview ist erschienen in der Wir im Sport.

Fotos © LSB NRW / Andrea Bowinkelmann

Fabian Gräfe, Angeln (Fliegenfischen)

Jahrgang: 1995
Verein: Rheinischer Fischereiverband von 1880

2017 – 2022
Zucht und Besatz von über 3 Millionen Lachsen

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