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26. Januar 2018 / News

Glücksspiel neu denken

Über Jahrzehnte bestanden Gräben. Gräben zwischen dem staatlichen Glücksspielangebot und dem legalen privaten Angebot. Warum eigentlich? Sitzen nicht beide quasi im gleichen Boot? - Ein Beitrag von Axel Weber und Dr. Daniel Henzgen

Über Jahrzehnte bestanden Gräben. Gräben zwischen dem staatlichen Glücksspielangebot und dem legalen privaten Angebot. Warum eigentlich? Sitzen nicht beide quasi im gleichen Boot? Eint, angesichts von massiver illegaler Konkurrenz, heute nicht mehr als es trennt? Im Wesentlichen wohl jedenfalls der Anspruch, den Kunden und Spielgästen durch ein attraktives Angebot das natürliche Spielbedürfnis in legale Kanäle zu lenken. Dass sie ein sozial sensibles Produkt anbieten, war und ist beiden Seiten bewusst. Der sich daraus ergebenden Verantwortung müssen staatliche als auch legale private Anbieter durch hohe Qualitätsansprüche an den Betrieb ihrer Veranstaltung beziehungsweise ihrer Verkaufs- und Spielstätten begegnen.

 

Beide Seiten sind zugleich eine wichtige Ressource für die öffentlichen Haushalte. Wie eine Studie des Handelsblatt Research Institutes (HRI) ergab, kamen allein im Jahr 2015 im regulierten Glücksspielmarkt rund 5,3 Milliarden Euro an Abgaben und Steuern zusammen. Im nicht-regulierten Bereich entgehen dem Fiskus hingegen jährlich hunderte Millionen an Steuern. Allein für das illegale Angebot der Zweitlotterien rechnen Experten mit einem jährlichen Steuerausfall von circa 240 Millionen Euro. Eine Entwicklung, die sich sogar noch verschärfen könnte. Denn der derzeitige Wachstumsmarkt ist das Online-Glücksspiel, so eines der zentralen Ergebnisse der Studie „Die Digitalisierung des Glücksspiels“. Erstellt wurde sie ebenfalls durch das Handelsblatt Research Institute im Auftrag von WestLotto und LÖWEN ENTERTAINMENT, den führenden deutschen Anbietern im Lotterie- beziehungsweise Automatensektor. Neben diesem rasanten Wachstumskurs verdeutlicht die Studie mit Blick auf Deutschland aber auch: 87 Prozent der Online-Glücksspielangebote entfallen auf den nicht-regulierten, illegalen Markt. Die deutschen Spielinteressierten zeigen faktisch mit ihrer viel zu häufig getätigten täglichen Entscheidung zur Inanspruchnahme illegaler Glücksspielangebote, wie die aktuelle Regulierung bei ihnen verfängt.

 

Dagegen ist nur ein Kraut gewachsen. Der Gesetzgeber muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass nur noch das legale und sichere Spiel von den Kunden angenommen wird. Gelingen kann das über die Attraktivität des Angebots, hohe Service- und Qualitätsstandards und die bessere Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung. Diesen bieten sich die Expertise von weltweit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und die Markterfahrung der Glücksspielanbieter der verschiedenen Angebotssegmente im Glücksspielbereich an. Dieses Wissen sollten die politischen Entscheidungsträger nutzen, um illegale Glücksspielmilieus effektiv zu verhindern und Jugend- und Spielerschutz nachhaltig umgesetzt zu bekommen. Zukünftig sollten sich deshalb staatlich finanzierte Stellen nicht länger verweigern, an fachlich anerkannten Fachpanels und -tagungen zwischen renommierten Wissenschaftlern und Responsible Gaming-Experten teilzunehmen und damit den notwendigen nationalen und internationalen Diskurs behindern. Im schlimmsten Falle droht nämlich, dass den politischen Entscheidungsträgern in Landtagen und Regierungen auf diese Weise notwendiges Wissen vorenthalten bleibt.

 

Der Kampf gegen das illegale Spiel wird letztlich zur Schicksalsfrage der Glücksspielregulierung in Deutschland. Allzu schnell verlieren wir uns jedoch bisher in ordnungspolitischen Detaildebatten und nicht zeitgemäßen Grabenkämpfen. Damit muss Schluss sein. Denn bei der Regulierung des Glücksspielmarktes gibt es starke gemeinsame Interessen: für Politik und Verwaltung, Spielteilnehmer und legale Anbieter, die sich an Recht und Gesetz halten.

Axel Weber, Abteilungsleiter Kommunikation und Public Affairs, WestLotto

 

Dr. Daniel Henzgen, Bevollmächtigter der Geschäftsführung, LÖWEN ENTERTAINMENT