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30. Dezember 2019 / Bräuche

Glauben an ein gutes neues Jahr

Feuerwerk, Linsensuppe und – früher – Bleigießen: Überall in Deutschland gibt es Silvester- und Neujahrsbräuche. Daraus schöpfen Menschen Hoffnung für das kommende Jahr. Diese Traditionen sollen Glück bringen.

In der Silvesternacht setzen viele Menschen Jahr für Jahr auf die gleichen Bräuche: Schon die Menüauswahl ist mit der Hoffnung auf Glück und Geld verbunden. Diverse Orakel sollen das Kommende erhellen. Die Bräuche unterscheiden sich in Deutschland regional. Wie wo gefeiert wird und wie unsere liebgewonnenen Angewohnheiten entstanden sind – ein Überblick.

Mit Bräuchen böse Geister vertreiben

Ein Silvester ohne Feuerwerk? Für viele Menschen ist es undenkbar, das Jahr in aller Stille willkommen zu heißen. Schon vor dem Mittelalter findet sich der Vorreiter: Um Geister und Dämonen zu vertreiben, lärmte man damals noch mit Schellen, Ratschen und Peitschen. Jedoch ist das Feuerwerk heute nicht die einzige lautstarke Tradition, die die bösen Geister in der Silvesternacht abschrecken soll. Vor allem in Norddeutschland ist das „Rummelpottlaufen“ beliebt, das im 16. Jahrhundert die „Wintergeister“ verjagen sollte. Ähnlich wie zu Halloween laufen Kinder geschminkt und verkleidet von Haustür zu Haustür und singen dabei die sogenannten Rummelpottlieder wie das plattdeutsche „Fru, maak de Dör op“ (Frau, mach die Tür auf). Als Belohnung erhalten sie Süßigkeiten. Der Rummelpott war einst ein mit Fell bespannter Zylinder, der ein Brummgeräusch auslöste – auch damit sollten Geister vertrieben werden. Er ist heute nur noch selten dabei, stattdessen werden andere Gefäße oder Instrumente verwendet.

Ein anderes, geräuschloses Ritual folgt einem ebenfalls jahrhundertalten Aberglauben: Danach verbietet es sich, zwischen den Jahren Wäsche aufzuhängen. Wer dagegen verstößt, bei dem könnten sich zum Beispiel die Geister in den hängenden Kleidern verhaken und deren Besitzer im neuen Jahr verfolgen.

Einen Blick in die Zukunft wagen

Neuer Job, große Liebe: Was passiert im neuen Jahr? Darauf erhielten die Menschen beim Bleigießen lange Zeit Antworten. Schon die alten Römer kannten es – und schon damals wurden Bleistücke auf einem Löffel über einer Kerze zum Schmelzen gebracht sowie ins kalte Wasser gegossen, wodurch eine Form entstand, aus der sich die Zukunft deuten ließ. Seit April 2018 ist der Vertrieb von Bleigieß-Sets jedoch verboten. Wachs ist eine gute Alternative.

Zwar nicht so bekannt wie das Bleigießen, jedoch auch verbreitet ist das sogenannte Apfelschalen-Orakel, ein Brauch, der am Silvesterabend Liebesfragen beantworten soll. Mit einem Schäler bildet man aus der Schale eine Spirale, die man anschließend dreimal über dem Kopf Kreisen lässt, um sie dann über die linke Schulter zu werfen. Der Buchstabe, den die Schale formt – oder der am ehestens daraus erkennbar ist –, soll der Anfangsbuchstabe der nächsten großen Liebe sein.

Das letzte Mahl des Jahres

Auch die Auswahl der Speisen bleibt keineswegs dem Zufall überlassen: Eine Linsensuppe steht für finanziellen Erfolg, wobei jede Linse ein Geldstück symbolisiert. Diese tschechische Tradition ist inzwischen auch in Deutschland verbreitet. Bei vielen kommt außerdem ein Karpfen auf den Tisch und ein besonderes Souvenir anschließend ins Portemonnaie: Wer eine Schuppe bei sich trägt, darf sich im neuen Jahr über einen gefüllten Geldbeutel freuen.

Interessant: Selbst ansonsten nüchterne Gemüter machen es sich zum Jahreswechsel im Aberglauben bequem. Warum auch nicht? Schaden anrichten werden die Pause vom Wäschewaschen, das Jahr für Jahr duftende Menü oder das lustige Orakelspiel schon nicht. Und beim Essen wie beim Spielen mit Familie oder Freunden gilt: Gemeinsam gelebte Tradition schafft Vertrauen und Verbundenheit.