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18. August 2020 / Einblick

Anti-Virus-Software mal anders

Mitte Juni 2020 ging mit der Corona-Warn-App die wohl wichtigste App des Jahres an den Start. Zwei Monate später haben 16,9 Millionen Nutzerinnen und Nutzer sie heruntergeladen. Was bringt die App?

Masken tragen, Abstand halten: Wir haben in der Corona-Krise gelernt, dass wir nicht nur für unsere persönliche Gesundheit verantwortlich sind. Jeder und jede kann – und sollte! – im Kampf gegen die Pandemie unterstützen und Verantwortung für Mitmenschen, Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen.

Gerade in den ersten Wochen der Corona-Krise waren sich Wissenschaft und Politik nicht immer einig, welche Maßnahmen angemessen und sinnvoll sind und welche mehr Schaden als Nutzen nach sich ziehen. Schließlich war und ist die Situation zu unübersichtlich und neu für alle und es war zu wenig über das neuartige Virus bekannt. Wir erinnern uns unter anderem auch an das Hin und Her, als es um den Sinn oder Nutzen von Alltagsmasken ging. Mit zunehmendem Wissen über Covid-19 ist heute klar: Diese Masken helfen, die Übertragung des Virus deutlich einzuschränken und die Ausbreitung der Pandemie zu bremsen.

Technik gegen Virus
Worüber von Anfang an Einigkeit herrschte: Damit die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle bleibt und Einschränkungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben vermieden werden können, müssen Infektionsketten nachverfolgt werden. Länder wie Südkorea oder Taiwan setzten bereits gleich nach Ausbruch der Pandemie auch auf mobile Apps – und hatten damit Erfolge.

Auch in Deutschland wurde schon früh eine solche App diskutiert. Sie sollte das übernehmen und optimieren, was Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gesundheitsämtern bereits taten und heute noch tun: Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig machen und die bekannten Maßnahmen wie Tests und/oder Quarantäne einleiten, damit das Virus nicht weiterverbreitet wird.

Datenschutzbedenken ernstnehmen
Mit einer App, so die Hoffnung, ginge das gründlicher und mit weniger Aufwand. Denn gerade bei einer großen Anzahl von Neuinfektionen kommen die Gesundheitsämter schnell an ihre Grenzen. Es gab aber auch Skeptiker, und in der in Sachen Datenschutz sensiblen deutschen Bevölkerung kam es zu teils hitzigen Diskussionen. Die Bundesregierung nahm die Bedenken ernst und ging bei der Entwicklung der App auf Nummer Sicher. Dadurch war sie nicht wie zunächst geplant im April 2020, sondern erst im Juni verfügbar.

Freiwillige vor!
Die App schützt ihre Nutzerinnen und Nutzer natürlich nicht per se vor einer Infektion. Sie warnt, wenn es in den letzten zwei Wochen Kontakt mit einer infizierten Person gab. Ein Beispiel: Person A und Person B halten sich unweit voneinander auf, sei es in einem Supermarkt oder in einem Bus. Die Begegnung wird 14 Tage lang auf beiden Handys verschlüsselt gespeichert. Wenn in dieser Zeit Person A positiv auf das Corona-Virus getestet wird und dieses Ergebnis in die App eingibt, erhält Person B die Information über ein Ansteckungsrisiko. Dabei berücksichtigt die App die Zeit und den Abstand. Die Personen müssen sich mindestens 15 Minuten lang in einem Abstand von zwei Metern oder weniger begegnet sein. Ort und Zeit der Begegnung und die Identitäten der Beteiligten bleiben anonym. Ob positiv Getestete ihre Diagnose in die App eingeben und was Benachrichtigte mit der Information machen, bleibt ganz den Nutzern der App persönlich überlassen. Alle Funktionen der App beruhen auf der freiwilligen Nutzung der User. Die Daten werden nicht zentral gespeichert, und es werden keine Bewegungsprofile erstellt. Zudem darf aus Datenschutzgründen nicht ermittelt werden, wie oft die App tatsächlich genutzt wird.

Viel hilft viel
Laut einer Studie der Universität Oxford kann die Corona-Warn-App die Ausbreitung der Pandemie sogar komplett stoppen, wenn mindestens 60 Prozent der Bevölkerung die App nutzt. Schon ab 15 Prozent zeige sich eine Wirkung. In Deutschland wären das 12,48 Millionen Menschen. Mit aktuell 16,9 Millionen Downloads (Stand: August 2020) sieht das Robert-Koch-Institut die Corona-Warn-App auf einem guten Weg.

Angesichts einer möglichen Infektionswelle im Herbst ist eine möglichst verbreitete Nutzung der App wünschenswert. Umfragen zeigen aber nach wie vor große Skepsis in der Bevölkerung. Die am häufigsten genannten Gründe sind Zweifel an der Wirksamkeit der App und Bedenken beim Datenschutz. Die Sicherheit persönlicher Daten wurde jedoch von Entwicklern, Aufsichtsbehörden und Datenschutzexperten bestätigt. Sogar der Chaos Computer Club, der eine umfassende Kompetenz im Aufzeigen von Schwachstellen bei Datenübertragungen vorweisen kann, ist mit der Sicherheit der App zufrieden. Was die Kritik an der Wirksamkeit betrifft: Die Corona-Warn-App präsentiert sich nicht als Allheilmittel. Sie ist in Ergänzung zu den Abstands- und Hygieneregeln eine weitere Maßnahme, mit der alle dazu beitragen können, den weiteren Verlauf der Pandemie möglichst flach zu halten. Davon profitieren nicht nur die Risikopatienten, sondern auch unsere Wirtschaft und unser gesamtes öffentliches und kulturelles Leben. Darum sollte jeder die Corona-Warn-App auf dem Handy haben.

 

Bild: Kai Pilger / Unsplash